HomeAnfahrtKontaktImpressumHaftungsausschluss

SIGMAR POLKE
(1941 - 2010)

Paraphrasen. Arbeiten in Auflagen

15. Juli bis 4. September 2016

 

Eröffnung der Ausstellung

Freitag, 15.Juli 2016, 20 Uhr

S.H. – oder wann zählen die Punkte? <br>2002 Mischtechnik auf mit caparol behandeltem Stoff 92 x 72 cm

Er war kritisch, spöttisch, provozierte und galt als Exzentriker.

 

Zum Jubiläum stellt das Richard Haizmann Museum 40 Werke des weltberühmten Künstlers  aus.

 

Sigmar Polke in der Provinz -in einer Kleinstadt wie Niebüll  – eine Sensation.

 

Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal ist stolz, dass dieser Coup  gelang.
Dr. Uwe Haupenthal: "Das haben wir uns verdient; durch unsere 30-jährige Arbeit. Wir haben immer auf Qualität gesetzt. Das dadurch entstandene Netzwerk hilft nun, den Meister in den Norden zu holen."

 

Sigmar Polke ist der prägende deutsche Künstler der Nachkriegszeit. Ein subversiver Künstler, der Sichtweisen unterläuft. Zum einen: Ein Mann, der gegen den Mainstream malte beziehungsweise arbeitete – wie Richard Haizmann in den frühen 20er-Jahren. Zum anderen: Polke machte alles. Er nutzte und benutzte alles. Mit einer Intensität wie kein Zweiter. Er bediente sich bei Dürer, bei Goya, bei Rembrandt, nahm den Comic hinzu, steigerte sogar die Pop-Art mit enormer Bildrasterung, griff auf Materialien wie Stoffe zurück, bezog sich auf das Informel. Polke mixte alles auf eine magische Art und Weise. Er setzte sich mit der Realität auseinander, ohne sich Schranken zu setzen.
Sein Ziel ist die Störung gesellschaftlicher Ordnungen durch seinen unglaublichen, ganz besonderen Bildwitz, seine Kommentare auf das Zeitgeschehen verschonen nichts und niemanden. Polkes großes Zeichnungen-Konvolut aus der Zeit von 1963 bis 1970 wirkt in seiner Gesamtheit wie ein flirrendes All-over aus unterschiedlichsten Stilen und Formen, es bewegt sich am Rand der Abstraktion und wimmelt absichtlich nur so von Fehlern, Leerstellen und Flecken.

 

Sigmar Polke kommt zunächst vom Handwerk. Seine Lehrer waren Informel-Maler. Von 1959 bis 1960 absolvierte Polke zunächst eine Glasmaler-Lehre in Düsseldorf-Kaiserswerth. 1961 nahm er ein Studium bei Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz an der Kunstakademie Düsseldorf auf, das er 1967 beendete.

 

Sigmar Polkes bildnerischen Wurzeln stammen aus der Kunstgeschichte. Doch er nutzte letztlich alles für alles, auch die Fotografie. Er benutzte für seine Bilder schlichte Deko-Textilien, Plüschstoffe oder Plastikfolien, die er zu Collagen verarbeitete. Er blieb nie stehen, denn auch die Pop-Art-Kunst von Roy Lichtenstein oder Robert Rauschenberg entwickelte Sigmar Polke weiter: Er vergrößerte die Rasterpunkte ins Gigantische und malte Filmidole auf Schlafanzüge. So viel Leichtigkeit und Witz, Können und Esprit machte Polke, der persönlich scheu war und sich dem Kunstbetrieb weitgehend entzog, weltweit begehrt.
Besonders spannend: Er entwickelte sich immer weiter. Die Leinwand überschüttete er beispielsweise mit Lacken, Säuren, Salzen und überließ sie der chemischen Reaktion. So entstanden Bilder, die je nach Temperatur, Beleuchtung oder Raumfeuchtigkeit anders schimmerten, sich stets änderten. Flexibel – so wie seine Kunst.

 

Sigmar Polkes Botschaft:
Kunst solle man nicht zu ernst nehmen. Schon gar nicht die Moderne.

Ein Beispiel: Ein kleiner Bereich einer Postkarte ist dunkel ausgemalt, der Rest bleibt weiß, bis auf eine dünne, auf Schreibmaschine getippte Erklärung: „Höhere Mächte befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen.“


 

DR PABSCHT HET Z'SCHPIET S'SCHPÄCKBSCHTECK Z'BSCHEUT, 1980/91, Computerreproduktion mit Vielfarbdrucker, Acryllack auf Vinyl
Desastres und andere bare Wunder II, 1982/84, Schwarzweiß-Fotografie
Handkuss, 1995, Offsetdruck, vielfarbig auf Hahnemühle-Büttenkarton
"...höhere Wesen befehlen" (Handschuhpalme), 1968, Offsetdruck in Schwarz auf Kunstdruckpapier nach Fotografien von Polke und Chris Kohlhöfer
"...höhere Wesen befehlen" (Polke als Palme), 1968, Offsetdruck in Schwarz auf Kunstdruckpapier nach Fotografien von Polke und Chris Kohlhöfer
S.H. oder die Liebe zum Stoff, 2000, Serigrafie auf bedrucktem Dekorstoff
Letze Änderung: 07. 09. 2016